Nachruf

Dozent Dr. Georg Gimpl

26.05.1949 – 10.10.2014

Die Nachricht, dass unser Kollege Dozent Dr. Georg Gimpl am 10.10.2014 in Linz völlig unerwartet einem Schlaganfall erlag, hat uns zutiefst erschüttert.

Dr. Georg Gimpl war seit dem 1.9.1975 als Lektor für deutsche Sprache und österreichische Literatur am damaligen Germanistischen Institut und der heutigen Fachrichtung Germanistik im Institut für moderne Sprachen der Universität Helsinki tätig, seit 2004 als Universitätslektor. Vom 01.08.1993 bis 31.12.1994 und im Frühjahrssemester 1995 vertrat er eine Assistenzprofessur für Germanistik. Im Juli 1991 wurde er zum Dozenten für Ideengeschichte an der Universität Oulu ernannt.

Georg Gimpl hat neben den sprachpraktischen Kursen und den Vorlesungen zur Landeskunde Österreichs vor allem die literaturwissenschaftliche Ausbildung der Germanistik-Studierenden entscheidend gefördert und geprägt. Der österreichischen und der deutschsprachigen Literatur fühlte er sich besonders eng verbunden.

Daneben richtete sich sein Forschungsinteresse auf die Geschichte der Philosophie im Allgemeinen und der österreichischen Philosophie im Besonderen: Er befasste sich schon in seiner Salzburger Dissertation und auch später mit dem Tractatus logicus philosophicus von Ludwig Wittgenstein. Die Namen einiger anderer Philosophen, deren Schaffen und Wirken er untersuchte, sind Eduard Winter, Franz Brentano und Bernhard Bolzano. Spezielle Untersuchungen widmete Georg Gimpl den Beziehungen zwischen Wilhelm Bolin und Friedrich Jodl sowie dem Prager Salon der Berta Fanta. Die Geschichte der deutschsprachigen Kultur in Böhmen, darunter der jüdischen, faszinierte ihn in besonderem Maße. In den letzten Jahren widmete er sich mit voller Kraft dem Aufbau eines virtuellen Dorfmuseums seines Heimatortes Russbach.

In seinen fachhistorischen ebenso wie in seinen hochschulpolitischen Schriften bediente sich Georg Gimpl stets einer geschliffenen Rhetorik. Nicht immer stieß sein mitunter zuspitzender, polemischer Stil auf ungetrübte Gegenliebe. Doch mit der Brillanz seiner dialektischen Betrachtungsweise und der unbestechlichen Stringenz in der Argumentation erwarb sich Dr. Georg Gimpl sowohl in seinem unmittelbaren Kollegenkreis wie auch auf der internationalen Bühne des wissenschaftlichen Diskurses das ehrenvolle Image eines messerscharfen Denkers. Er war alles andere als autoritätsgläubig. Durch seine große Belesenheit, durch seinen Kenntnisreichtum in der Geschichte der Philosophie, der Literatur und der Gesellschaft war er ein gefragter Diskussions­partner, Referent, Rezensent und Wissenschaftler.

Auch in der Lehre stellte Georg Gimpl stets hohe Anforderungen an sich und an seine Studierenden. Er verstand es, begabte Studierende für die Beschäftigung mit der Literatur echt zu begeistern. Sein Unterricht wurde von den meisten Studierenden als eine wirkliche Bereicherung, ja oft als eine Horizonterweiterung erlebt. Als Hochschullehrer half er den von ihm Betreuten mit Geduld und Konsequenz, ein möglichst hohes Niveau in ihren Abschlussarbeiten zu erzielen. Auf seinen kompetenten Rat und auf seine Hilfe konnten sich die Studierenden stets verlassen.

Nicht nur in der sorgfältigen Vorbereitung und Durchführung seines akademischen Unterrichts zeigte sich die Achtung, die Dr. Georg Gimpl den Studierenden entgegenbrachte. Auch außerhalb der Lehrveranstaltungen nahm er regelmäßig teil an den Veranstaltungen beispielsweise unserer Fachschaft. Dort erlebte man ihn, wie auch in seinem Freundeskreis, als einen fröhlichen, lebenszugewandten und großzügigen Zeitgenossen.

Sowohl als international bekannter Wissenschaftler wie auch in Helsinki war Georg Gimpl bestens vernetzt. Zu seinem Freundeskreis zählten interessante Persönlichkeiten ganz unterschiedlicher Herkunft und Ausbildung. Für ihn als Menschen war eine sehr soziale Haltung charakteristisch. Er fühlte mit den sozial Benachteiligten, setzte sich für die Interessen der Schwächeren ein. Persönliche Eitelkeit und Geltungssucht waren ihm gänzlich fremd.

Der plötzliche Tod von Dr. Georg Gimpl hinterlässt eine große Lücke in seiner Familie wie auch in unserer Fachrichtung. Wir vermissen ihn als Mensch und als Kollegen sehr. Wir werden unseren Kollegen, Lehrer und Freund Dr. Georg Gimpl stets in ehrender Erinnerung bewahren.

Die Studierenden und Lehrkräfte der Fachrichtung Germanistik der Universität Helsinki

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